(BPT 8) Aus der alten Welt
Wahrscheinlich habe ich noch nie so viele Liberale auf einmal gesehen wie jetzt hier in dieser Messehalle. Dauernd von Leuten umgeben zu sein, die bei allen Detaildifferenzen die Welt mit einer ähnlichen Grundhaltung sehen - das mag für Schwarze, Rote, Grüne eine normale Erfahrung sein, für Liberale ist sie es nicht.
Da ist es interessant als Gegenentwurf zu vergleichen, wie gleichzeitig die Diskussion links aussieht.
Zum Beispiel in der aktuellen ZEIT.
Die war ja irgendwann im letzten Jahrtausend einmal eine liberale Zeitung, inzwischen aber schon lange eine solides Propagandaorgan der SPD.
Schon die Titelstory ist ein krasser Kontrast zu Allem, was die FDP gerade umtreibt: “Danke, Staat”.
Danke dafür, daß angeblich das staatliche Eingreifen eine schlimme Krise abgewendet hat. Es mag zwar schon sein, räumt der Autor ein, daß die Zeiten noch schlechter werden, daß die Arbeitslosenzahlen noch steigen, daß wir uns an ein “neues Wachstumsmodell” gewöhnen müssen - aber dennoch sei schon erwiesen, daß die staatlichen Milliardenausgaben erfolgreich waren.
Ich frage mich, ob “neues Wachstumsmodell” ein Euphemismus für Stagnation sein soll. Auf jeden Fall ist der Widerspruch schön: Einige Seiten weiter wird im Wirtschaftsteil beklagt, daß die riesige Neuverschuldung künftige Generationen belasten wird. Nun auf einmal böser Staat? Nein, dort wird konkret Merkel als Schuldige genannt.
Wahrscheinlich könnte der Staat nach ZEIT-Auffassung noch viel großzügiger sein, wenn nicht die schlimme CDU-Kanzlerin so viele Schulden machen würde …
Auf Seite 2 bekommt dann Kandidatin Schwan ausführliche Gelegenheit, ihre Uneignung für höhere politische Ämter darzulegen.
Und dann kommt der Höhepunkt des Politikteils: Eine Analyse des Wahlkampfjahrs.
Illustriert mit den Konterfeis von sechs Politikern, schön ausgewogen zwei schwarze, zwei rote und zwei grüne.
Und fünf davon in etwas merkwürdigen Posen, wenig vorteilhaft - nur Schröders Büroleiter wird in Bestform präsentiert, ein Wahlkampfphoto offenbar direkt aus der Baracke.
Im Text werden die Sichten von CDU und SPD ausführlich beleuchtet, die Ergebnisse der Europa- und Landtagswahlen prognostiziert (selbstverständlich gewinnt überall die SPD), und dann kommt die Bundestagswahl.
Da gibt es für die ZEIT eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Bürger voll zufrieden mit der großen Koalition, stärken auch die Union - dann kommt schwarz/gelb. “Versehentlich” nennt das der Autor, er kann sich gar nicht vorstellen, daß jemand so etwas wollen könnte.
Oder aber es gibt die Ampel. Die rot/rot/grüne Option darf es für den Autor nicht geben, da hat er wohl vom Obergenossen Denkverbot bekommen.
Aber plötzlich fällt ihm ein, daß es außer den abgebildeten sechs noch einen weiteren Spitzenpolitiker in Deutschland gibt.
Seine Rolle ist im ZEIT-Weltbild klar: Keine Inhalte, keine eigenen Standpunkte, keinen Widerstand gegen die rot/grünen Forderungen à la Mindestlohn.
Einfach nur ein Steigbügelhalter, über den man bei Bedarf frei verfügen kann.
Der Gegensatz zu dem, was beim FDP-Parteitag besprochen und beschlossen wird, könnte kaum größer sein. Die ZEIT-Analyse kommt einem hier vor wie eine Botschaft vom Mars.