Blog.Xewo.de Skandal am Niedersachsen-Abend!

Die Abendveranstaltung zum 60. Bundesparteitag der FDP am Samstag, der Niedersachsen-Abend in den wunderschönen Herrenhäuser Gärten in Hannover war eine wirklich grossartige und durchweg gelungene Veranstaltung. Das grandiose und zu einem Potpourri klassischer Musik choreographierte Feuerwerk werde ich so schnell nicht vergessen. Ein rundum gelungener Abend.

Mit Ausnahme eines Vorfalls: da laberte mich ein ziemlich schräger Vogel im Steinmeier-T-Shirt an. Er sei mit einer Frau liiert, die er “Angie” nannte. Sie mache ihm aber immer nur Vorschriften und spiele sich als Chefin auf. Das passe ihm nicht, denn er sei eigentlich zum Macho berufen (”aber bitte nicht weiter erzählen, wegen Gender-Mainstreaming und so, weisste”). Ausserdem sei sie ihm zu konservativ. Alternativ hätte er aber auch die Chance auf eine “moderne Beziehung”, wie er es bezeichnete. Mit einer Kommunistin, Erika heisse sie (nenne sich aber “Lili Fontaine”, weil das nicht so altbacken klinge) und der “grünen Claudi”. Da gäbe es viele “gemeinsame Vibrations”, weil man/frau zwar nicht immer völlig einer Meinung sei, aber eben doch “auf einer Linie” ticke.

Erika sei jedoch zu unbeliebt und zu vulgär, um sich mit ihr zu zeigen - “mein guter Ruf, weisste”. Ruf. Aha. Und Claudia alleine würde ihm “nicht genug Performance” bringen. So habe er sich an der Einlass-Kontrolle der Veranstaltung für die Gäste und Delegierten des FDP-Parteitages vorbei geschmuggelt und sei jetzt hier auf der Suche “nach ‘ner coolen Braut”. Ich wunderte mich, warum der unangenehme Typ ausgerechnet mich angesprochen hatte (es lag wohl an meiner Lederjacke, die in der Tat nicht völlig dem Dresscode des Abends angemessen war). Da er mich nervte, empfahl ich ihm freundlich, sich für sein Vorhaben eine passendere Location zu suchen, in der Bahnhofsgegend vielleicht, stellte mich zum dritten Mal an der Schlange zum Spargel-Buffet an und vergass ihn sofort.

Eine ganze Zeit später, bei einem Cocktail an der Bar, übrigens vom jüngsten stellvertretenden Ministerpräsidenten Deutschlands (FDP natürlich…) persönlich gemixt, bemerkte ich, dass an der Tanzfläche nebenan etwas nicht in Ordnung war. Einige Politiker- Bodyguards bahnten sich energisch den Weg durch die schwofenden liberalen Massen. Das interessierte mich nun doch. Ich griff mir meinen Caipirinha und versuchte, in die Nähe des Aufruhrs zu gelangen. Ups! Da war er wieder, der Chaot von vorhin: er pöbelte eine grosse Blonde im modischen Hosenanzug an, die mir aus irgend einem - nicht wirklich angenehmen Zusammenhang - bekannt vorkam: Irgend etwas mit Leuten (Europäern?), die man nicht selbst entscheiden lassen kann, weil sie sonst falsch entscheiden würden. Aber ich schweife ab.

“Sorry, ja, ich weiss, ich habe dich dauernd Schlampe genannt, und dass wir eigentlich nicht viel gemeinsam haben, ist mir auch klar. Aber das mit Angie hat keine Zukunft, Lady” bedrängte er die konsternierte Frau. Ich wunderte mich, warum sie ihm nicht sofort, vor allen Leuten, die verdiente Ohrfeige gab. “Und willste echt, dass ich mit den anderen beiden Chaotinnen abzieh?” Die grosse Blonde blieb weiter gelassen und gab ihm dann schliesslich doch die fällige Abfuhr: “Wir sind zwar Liberale. Aber blöd sind wir nicht.” Die Beamten beendeten schliesslich das traurige Schauspiel und führten ihn unter dem Beifall der Anwesenden ab. Man hörte ihn noch grölen, dass es ihm sowieso nur um einen Quickie gegangen sei, “Angie heiss machen”. Ausserdem habe er jederzeit die Option, es mit Erika und Claudia krachen zu lassen. Und dann war der Spuk beendet. Gottseidank.

Sicher haben Sie schon längst bemerkt, dass meine kleine Geschichte erstunken und erlogen ist. Okay, nicht ganz: den komischen Mann mit den Illusionen gibt’s wirklich! Und der Hinweis, dass Liberale nicht blöd seien, ist auch genau so gefallen. Er war aber nicht von der grossen Blonden.

Jetzt weiss ich’s wieder! Ich habe sie auf dem Parteitag gesehen, sie hat da eine laut beklatschte Rede zum Endspurt des Europa-Wahlkampfes der FDP gehalten (aber so gut war die nicht, die Rede meine ich - gut vorgetragen, inhaltlich aber eher schwach. Viel zu wenig Kritik an Lissaboner Vertragsmonstrum). Aber ich schweife schon wieder ab.

Nein, der Hinweis kam von Guido Westerwelle in seiner Abschlussrede. Wo er übrigens (endlich!) klarstellte, dass es eine Koalitionsvereinbarung mit der FDP nur dann gibt, wenn ein gerechteres Steuersystem und niedrigere Steuersätze vereinbart werden. Mit Angie.

(Crosspost mit aktivierter Kommentarfunktion auf antibuerokratieteam.net)